Fechter von Olaf W. Fichte
Ein Roman

Seiten 15 und 16

Ich wechselte nur wenige Worte mit ihr. Genau genommen murmelte ich einen verstümmelten Morgengruß und erholte mich beim Blick auf ihr wohlgeformtes Hinterteil. Gott, hatte die einen Arsch! Eine Frechheit, wie der beim Boden wischen zur Geltung kam. Zwar mochte ich sie nicht sonderlich leiden, konnte mir aber nur selten diesen oder jenen Hingucker verkneifen. Biggi war eine ebenso gut aussehende wie gut gebaute zweiunddreißigjährige Blondine. Die Schale konnte nicht leckerer sein, doch das Früchtchen faulte von innen her. Während ihr Mann von morgens 3 Uhr bis abends 20 Uhr schuftete, schwitzte und seinem Körper die letzten Reserven abforderte, fand sie sich irgendwann im Laufe des Tages ein, trank Kaffee, unterhielt sich mit Kunden und verschwand nach einiger Zeit wieder, um sich am Strand von Sonne, Wasser, Wind und hübschen Jungs verwöhnen zu lassen. Für den Verkauf zeichnete derweil eine spanische Angestellte verantwortlich.
Mit einem ihrer Schönlinge setzte ich mich vor etwa drei Wochen auf der Toilette einer Bar im Jachthafen über Etikette und gutes Benehmen auseinander. Seither hat sie einen Neuen.
Ulli wusste vom Treiben seiner Frau und sah darüber hinweg. So groß und bullig der Kerl, so groß auch sein Herz.
"Noch fünf Jahre, dann muss der Laden ohne mich brummen", lautete seine Standardreaktion, schnitt ich das Thema an. Was er meinte, war: Die Konditorei in den nächsten fünf Jahren soweit in Schwung zu bringen, dass er sich zufrieden über das, was er geschaffen hatte, sorgenlos zur Ruhe setzen und einem anderen die Plagerei überlassen könne. Mir aber entging das Rumoren, das er an sieben Tagen die Woche über einen Siebzehnstundentag zu kompensieren suchte, nicht.

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Kennen lernte ich die beiden eher zufällig auf einem Zwischenstopp meiner Reise nach El Salvador, von wo mir ein recht einträglicher Job angeboten wurde.
Achtunddreißig Stunden zuvor brach ich in Nürnberg auf und hatte mehr als zweieinhalbtausend Kilometer hinter mich gebracht. Meine Fahrt unterbrach ich bis Estepona nur ein Mal - für drei Stunden. Unter Zeitdruck stand ich eigentlich nicht. Den Druck machte ich mir wie üblich selbst.
Einigermaßen gut gerädert und hundsmüde strebte ich meine Wiederbelebung über ein paar Tässchen Kaffee an. Es war sieben Uhr am Morgen, als ich auf der Suche nach dem Elixier durch Estepona torkelte.
Für die letzten knapp sechzig Kilometer musste ich fit sein, denn ich plante, in La Linea mein kleines rotes Auto bestmöglich zu verscherbeln und die nächste Maschine von Gibraltar nach Großbritannien zu nehmen. Von da sollte es dann weiter nach El Salvador gehen. Den kleinen Umweg nahm ich gerne auf mich.
In La Linea, hatte ich in Erfahrung gebracht, bekäme ich fast das Doppelte dessen, was mir die Händler in Deutschland für meinen Wagen boten. Na gut, dabei würde es nicht ganz mit rechten Dingen zugehen. Aber was kümmerte mich das. Daneben sparte ich auch noch bei den Flugkosten, weil die Briten Passagen von Gibraltar nach London als Inlandsflüge abrechneten. War doch auch nicht zu verachten.

Nichts ahnend taumelte ich in das Café‚ mit dem köstlichsten Muntermacher weit und breit. Von meinem Tisch, in der Nähe des Seiteneingangs, sah ich durch die offenstehende Tür in eine schmale Einbahnstraße.
Doch schon nach fünfzig Metern schob sich ein Ungetüm in die Gasse und versperrte mir den Blick auf alles dahinter liegende. Unnachgiebig wie ein geschliffener Fels in der Brandung nötigte es Mensch und Maschine, ihm auszuweichen. Entweder neunzig Grad scharf nach links in eine Seitengasse oder in einem Bogen rechts um es herum. Beleidigt erhob ich mich, um den Tisch zu wechseln, als das Schild über dem Eingang des Gebäudes meine Neugier weckte. Ein weißes, offenbar recht neues Schild mit einer warmen, künstlerisch leicht geschwungenen, tiefschwarzen Schrift - wenige Zentimeter oberhalb des Sturzes angebracht. Ein sehr ansprechendes, pieksauberes Schild und irgendwie gar nicht spanisch.

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Copyright © 2018 by Olaf W. Fichte, Germany. Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.
Dieser Roman beruht auf wahren Ereignissen. Die Namen einiger Orte und fast aller Personen wurden geändert.