Fechter von Olaf W. Fichte
Ein Roman

Seiten 33 und 34

Mama fuhr zusammen, unterbrach die Lektüre eines Groschenromans und sah besorgt zu mir auf. Ich lächelte hilflos, mietete mein Zimmer eine weitere Nacht und ging hinauf.
War es aus der Mode gekommen, ein Gesprächsende mit einem Gruß zu signalisieren?
Dabei schien doch alles in bester Ordnung zu sein. Sorbete freute sich, als ich ihm ankündigte, nach Zumaia zu kommen. Seiler sicherte mir seine uneingeschränkte Unterstützung zu. Und meine grünäugige Schönheit ... Pingpong spielende Hormone ... wird schon werden.

Am Abend unternahm ich einen weiteren Versuch, mich mit Seiler über mein weiteres Vorgehen abzustimmen. Im Dialog mit seiner Maschine leierten wir unsere Sprüche herunter. Dann ging ich auf mein Zimmer und legte mich zu meinem extrascharfen Männermagazin aufs Bett. Orientierungslos blätterte ich darin, las hier drei, dort sieben Zeilen und betrachtete eingehend die aufgeklappte Doppelseite in der Heftmitte.
Überraschend klopfte es an der Tür. Ich öffnete und blickte in ein wunderschönes, strahlendes, grünes Augenpaar.
"Das wurde für Sie abgegeben", und reichte mir einen kleinen grauen Briefumschlag, warf einen Blick an mir vorbei ins Zimmer, lächelte wissend und verabschiedete sich.
Sie lächelte! Und verabschiedet hat sie sich auch! Was war ich doch für ein Glückskind! Sehnsüchtig sah ich ihr nach und bemerkte ein plötzlich eintretendes lebhaftes Treiben in meiner Hose.
Ich schloss die Tür, setzte mich auf die Bettkante und riss den Briefumschlag auf. Er enthielt ein zusammengefaltetes Blatt in der Farbe des Umschlages mit einer Telefonnummer und Sorbetes Namenszug.
Kurz darauf verließ ich das Hotel. War die Spur bis dahin lauwarm, erhöhte sich die Temperatur nunmehr beträchtlich. Endlich, möchte ich hier einfügen.
Es regnete. Und natürlich war es kühl. In der Telefonzelle, auf der dem Hostal und dem grünen Inselchen gegenüberliegenden Seite, wenige Meter von meinem parkenden roten Wagen entfernt, wählte ich die Nummer vom Zettel. Mit dem ersten Klingelzeichen meldete sich eine Frau.
"Wolf", stellte ich mich vor.
"Fahr zurück! Sorbete wird sich wieder melden."
Das hältst du doch im Kopf nicht aus. "Was soll das? Ist etwas passiert?"

"Er und zwei andere sind aus Bayonne kommend an der Grenze festgenommen worden."
Schwachköpfe! Das französische Bayonne war ein ebenso beliebter wie bekannter ETA-Stützpunkt. Wollte diese hohle Nuss mich ruinieren?
"O, Gott! Aber weshalb?", zeigte ich mich bestürzt.
"Wir hoffen, es handelt sich um einen Irrtum und man lässt sie heute oder morgen wieder frei. Genaueres wissen wir derzeit auch nicht. Er wird sich bei dir melden. Hasta Luego!"
"Halt! Was heißt das?"
"Sieh ins Wörterbuch."
Tut, tut, tut, tut - "War mir ein Genuss, mit dir zu sprechen. Einen schönen Tag dann noch!" - tut, tut, tut, tut, tut.

Zu Tun gab es für mich in dieser Gegend nichts mehr. Kein Grund also, mich länger als notwendig einer arbeitsfeindlichen und überdies saukalten Umgebung auszusetzen. Ich blieb noch eine Nacht und verwischte am Morgen kurz nach zehn meine Spuren.
Ausgesprochen gut fühlte ich mich dabei nicht. Dass sich Seiler trotz wiederholter Aufforderung nicht meldete, nun ja, es glitt mir am Gesäß vorbei. Hauptsache er schiebt Kohle rüber - reichlich und pünktlich. Aber Pumuckl ... Allzu gern hätte ich ihr bewiesen, dass die Dornen einer wunderschön blühenden Rose meinem Stachel nichts anhaben konnten. Doch ging mein Job vor.

Wann immer sich die Gelegenheit bot, trat ich das Gaspedal bis zum Bodenblech. Also gut, ich war gefrustet. Aber nur ein ganz klein wenig.
Abgesehen von zwei Stunden, die ich in Madrid im Stau verplemperte, weil jeder Affe glaubte, ausgerechnet dann Feierabend machen zu müssen, wenn ich in Eile bin, und einem Halt vis-à-vis des Madrider Gefängnisses, wo ich in einer Imbissbude eiligst einen Hamburger verdrückte, fuhr ich ohne Unterbrechung bis Estepona.
Ich sah nur das Schwarz des Asphalts, unterbrochen von einigen Dutzend Fahrzeugen, die mich behinderten.

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Dieser Roman beruht auf wahren Ereignissen. Die Namen einiger Orte und fast aller Personen wurden geändert.