Fechter von Olaf W. Fichte
Ein Roman

Seiten 37 und 38

Der hauchdünne Stoff ihrer schwarz-weiß-gestreiften Hose spannte sich. Hindurch blinzelte ein verspielter weißer Tanga. Gehört sich so was? Aber selbstverständlich! Wahnsinnig würde ich werden, wenn dem nicht so wäre. Sie sah zu mir herüber und lächelte, als bedanke sie sich für meine Aufmerksamkeit. Beherrscht wandte ich mich ab und ging die drei Schritte durch die Pendeltür in die Backstube.
Ulli faltete Blätterteig für Schweinsohren und ich erzählte der Situation angepasste, Muskulatur entspannende Witze.

Mein Nachtdienst begann wie jeder Nachtdienst: furchtbar einsam und ruhig.
Zwanzig Minuten vor Mitternacht rief Seiler an. Ich nahm den bimmelnden Apparat, setzte mich auf den angenehm erfrischend kühlen Boden und berichtete auch ihm von meinem Kurzurlaub. Zwar habe er am Nachmittag mit Bernhard gesprochen, jedoch nicht darüber. Als ich geendet hatte, ließ er mich wissen, dass er umgehend in Erfahrung bringen wolle, was mit Sorbete an der Grenze vorgefallen sei. In Zarautz habe er sich aufgrund organisatorischer Probleme nicht melden können.
"Ich werde dich dann nächste Woche wieder anrufen."

Samstagabend gab mir Biggi in ihrer mürrisch ungeduldigen Art - wir mochten uns eben - einen Streifen abgerissenen Zeitungsrand, auf dem sie in krakeligen Schriftzeichen eine Nachricht an mich notiert hatte. Ich dechiffrierte und erfuhr, dass Sorbete einen ausgedehnten Urlaub in Bayonne verbringe. Das Wetter habe sich merklich gebessert und er freue sich auf ein Wiedersehen im sonnigen Süden. Mehr wollte und mehr brauchte ich nicht. Spitzbübisch grinsend schnippte ich die Notiz in den Abfall und erinnerte Biggi an ihren wohlverdienten Feierabend. Sie warf den Kopf herum, zerknitterte ihr hübsches Gesicht und bediente sich des Blickes, dessen sie sich immer bediente, wenn sie mir mal wieder eine heiße Affäre mit einem Blitz wünschte. Schließlich stieß sie die Lade der Registrierkasse zu, schnappte nach ihrer Handtasche, drückte sich an mir vorbei und strebte dem Ausgang entgegen. Kaum hatte sie einen Fuß vor die Tür gesetzt, war ich auch schon hinter ihr.

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Ich verschloss die Konditorei, nahm mir ein Stück Kirschkuchen - oder auch zwei - aus der Theke und griff zum Telefon.
Seiler schickte mal wieder sein zweisprachiges Fräulein vor. Mein Stimmungshoch ebbte ab. Zu gern hätte ich ihm Sorbetes erfreuliche Botschaft persönlich überbracht. So aber bat ich um seinen Anruf für Sonntag zweiundzwanzig Uhr.
Nicht gleich am Sonntag, aber am Montag rief er zurück. Seiler war von Sorbetes Nachricht derart aus dem Häuschen, dass er sich am Morgen des folgenden Tages gleich noch einmal meldete.
"Wir werden uns in Österreich, in Salzburg treffen. Vermutlich nach dem achten Juli. Genaueres erfährst du noch. Dein Ticket wird bei der IBERIA in Malaga hinterlegt. Der Flug geht über Zürich. Ticket und Hotel sind bereits bezahlt. Hast du mir bis hierher folgen können?"
"Nein. Was spricht gegen Afghanistan?"
"Wir haben uns für Salzburg entschieden, um nicht Gefahr zu laufen, dass du mit deiner jüngsten Vergangenheit konfrontiert wirst."
Seilers Sinn für Humor schien mir nicht sonderlich ausgeprägt zu sein.
"Das ist aber nett."
Ich fand es gar nicht nett. Nicht, weil ich es nicht nett finden wollte, sondern, weil ich es nicht verstand. Vermutlich spielte er auf meine letzten Jahre in Deutschland an. Das allerdings verstand ich noch weniger.
"Morgen oder übermorgen werde ich dir das genaue Datum durchgeben. Wie kann ich dich erreichen?"
Gute Frage.
"Vielleicht per Anruf? Rufen Sie mich unter meiner Geschäftsnummer an."

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, ging ich, nachdem Ulli um drei zur Arbeit kam und wir Kaffee getrunken und eine Zigarette geraucht hatten, nicht ins Hotel und fuhr stattdessen ins zehn Kilometer entfernte IPANEMA - einer herausragenden Diskothek, nur einen Steinwurf vom High Society Jachthafen Puerto Banus.
Nach dem fünften Whiskey tat ich das, was mir, seit ich laufen lernte, am wenigsten gelang: Hüftwackelnd mischte ich mich unters Volk und strampelte mir einen ab.

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Copyright © 2018 by Olaf W. Fichte, Germany. Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.
Dieser Roman beruht auf wahren Ereignissen. Die Namen einiger Orte und fast aller Personen wurden geändert.