Man and Words

Google und die permanenten Verletzungen der Urheberrechte

von Olaf W. Fichte (Kommentare: 0)

Wenn sich Arroganz mit Dummheit vermählt

Menschen machen Fehler, Google nicht

Benutzt man die Suchmaschine von Google und sieht sich die Suchergebnisse bei Google etwas genauer an, so wimmelt es dort von Seiten mit offensichtlichen Urheberrechtsverstößen. Man muss nicht gezielt danach suchen, sie tauchen bei nahezu jeder Suchanfrage auf. Dennoch behauptet Google, dass 99,95 % der Löschanträge falsch seien. Diese Zahl bezieht sich auf Anträge, die bei Google eingehen, da Google selbst natürlich nicht danach sucht und naturgemäß eben deshalb auch nichts finden kann - Google ist doch kein Mensch.

Warum ist das so? Missbrauch ist nur ein Grund. Die Nutzung der Google-Suche nimmt stetig ab, ein anderer Grund. Ein weiterer dürfte sein, dass diese Seiten allesamt mit Werbung von Google zugepflastert und sehr gut frequentiert sind. Anders gesagt: Google verdient prächtig mit diesen Seiten.

Google bezeichnet Werbung als Anzeige. Und fast alle Websites, die auf ihren Seiten Werbung von Google einbinden, folgen dieser Empfehlung von Google. Doch diese Bezeichnung ist nicht nur falsch, sondern bewusst irreführend. Falsch, weil Anzeigen in Printmedien erscheinen. Bei elektronischen Medien handelt es sich schlicht um Werbung. Google verdient allein mit dem Wort Anzeige Milliarden. Unerfahrene Nutzer, welche die überwiegende Mehrheit darstellen, klicken auf die ersten drei bis fünf Suchergebnisse, welche meist allesamt schön klein mit dem Wort "Anzeige" gekennzeichnet sind. Insbesondere auf Smartphones wirkt sich das Wörtchen "Anzeige" bei Google als Goldesel aus. Bedingt durch den kleinen Bildschirm, wird dem Nutzer bei den Suchergebnissen oftmals nahezu ausschließlich Werbung präsentiert. Andere Ergebnisse sieht er erst, wenn er über den Bildschirm streicht. Macht er oder sie nur nie, denn der Nutzer versteht das Wort Anzeige nicht als Werbung, sondern im Sinne von "anzeigen" - "diese Website anzeigen". Und so klicken sie fröhlich darauf, weil sie Google vertrauen. Nur, dieses schwache Verb ist eine Einbahnstraße.
Sie haben zwar nicht gefunden, wonach Sie suchten, dafür aber hat Google Geld verdient - und Sie haben einige Cookies mehr auf der Platte. Und es werden noch mehr, weil Sie den "Zurück-Button" benutzen und auf die nächste Werbung klicken.

Vier Jahre informierte mich Google per E-Mail darüber, wenn irgendwo eines meiner Bücher möglicherweise illegal angeboten wurde. Während dieser Zeit verschwand keine einzige dieser Seiten, die ausschließlich Raubkopien vertrieben, aus dem Google-Index. Gelöscht wurden lediglich einige Dateien, wenn sie sich auf Google Drive befanden.

Ganz untätig darf Google natürlich auch nicht sein, würde irgendwann auffallen. Und so geschieht es, dass Google sich von einem Vertrags-Partner trennt, weil ein anderer möglicherweise erfolgversprechender ist - natürlich wegen Copyright-Verstoßes.

Im Juni 2012 veröffentlichte ich als Partner von Google zwei meiner Bücher bei Google Books und Google Play. Die Zusammenarbeit verlief komplikationslos - bis zum Januar 2017.
Da erhielt ich eine E-Mail von Google Books und Google Play, in der ich der Urheberrechtsverletzungen an meinen eigenen Werken bezichtigt wurde. So absurd das auch klinkt, Google war davon überzeugt und die Nachricht war eindeutig - meine Bücher wurden sofort von Google Books und aus Google Play entfernt.
Nun kenne ich Google seit es Google gibt und weiß um deren permanente Probleme, weshalb ich derartige Nachrichten im Normalfall ignorieren und löschen würde. Doch hier war es anders - den Urheber der Urheberrechtsverletzung zu bezichtigen, war eine andere Dimension.

Die Entfernung von Google Books und aus Google Play berührte mich dagegen überhaupt nicht. Zum einen, da über Google Play ohnehin kaum jemand Bücher kauft, zum anderen, weil es allein im Ermessen von Google liegt, Inhalte aufzunehmen und anzubieten. Und das ist völlig in Ordnung. Denn schließlich entscheide auch ich, was auf meine Seite kommt und was nicht. Letztlich haftet der jeweilige Anbieter für die dargebotenen Inhalte.

Was mich aber auf die Palme brachte, war die Absurdität, dass ich, der Urheber, ohne jede Ankündigung oder Rücksprache der Urheberrechtsverletzung an meinen eigenen Büchern (für eines erhielt ich zudem Auszeichnungen) bezichtigt wurde. Und mehr noch, meine Bücher wurden bei Google Play zwar nicht mehr zum Verkauf angeboten, aber meine Inhalte (Bilder, Beschreibungen der Bücher etc.) waren weiterhin vorhanden und öffentlich zugänglich. Wohl, um die Suchmaschine zu füttern, die bekanntlich ausschließlich von fremden Inhalten lebt.

Google sperrte umgehend meinen Account und verwehte mir somit jeden Zugriff auf meine Inhalte, deren alleiniger Urheber ich war.

Also sandte ich an Google Books und Google Play eine E-Mail, in der sinngemäß stand, dass meine Inhalte umgehend entfernt werden sollen, da ich der alleinige Urheber sei, und nicht etwa Google. Doch es geschah nichts.

Etwas geschah dann doch. Seit dieser Zeit erhalte ich kaum noch Besucher über Google. Wobei ich diese Tatsache nicht als negativ bezeichnen möchte, da auch zuvor nur maximal 3 Prozent meiner Besucherinnen und Besucher über Google auf meine Website gelangten.

Für Google hingegen war es eine gute Zeit, denn so ganz nebenbei verdiente Google auch noch daran, denn meine vertraglich vereinbarten Tantiemen behielt Google kommentarlos ein.

Merke: So geht man (nicht) mit Vertragspartnern um, von deren Inhalte, Waren und Dienstleistungen man lebt.

Erst mehr als drei Monate später entfernte Google meine verbliebenen Inhalte. Eine Mitteilung erhielt ich nicht, weshalb ich davon ausgehe, dass meine Inhalte und Daten nicht endgültig von Google-Servern verschwunden sind. Google löscht niemals etwas endgültig.

Bis heute, Mitte Mai 2017, erhielt ich von Google keinerlei Reaktion.

Wie reagiert ein seriöses Unternehmen? Zunächst versendet ein seriöses Unternehmen keine offensichtlich haltlosen und beleidigenden Unwahrheiten an Geschäftspartner. Daneben prüft es zunächst den Sachverhalt und begründet seine Entscheidung ausführlich. Und schließlich gibt es seinem Vertragspartner die Möglichkeit, sich äußern zu können, bevor es selbst reagiert.
Und dass ein seriöses Unternehmen auf E-Mails, Briefe etc. angemessen reagiert, versteht sich dann schon von selbst.

Damit hat diese Posse aber noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Der kommt jetzt!

Während Google mich, den Vertragspartner von 2012, rauswarf, dürfen meine Bücher in der zweiten Auflage weiterhin verbleiben. Die zweite Auflage meiner Bücher erschien im Jahr 2016 über einen Verlag. Selbstredend habe ich allein die Urheberrechte an ausnahmslos allen Bildern und Texten.

Warum ist das so? Warum wird der ältere Vertragspartner beleidigt und rausgeworfen während der neue Vertragspartner bleiben darf? Ich habe keine Ahnung. Das soll verstehen, wer will. Es ist mir zu mühselig, über Derartiges nachzudenken.
Vermutlich kann Verlagen einfacher sinnlose Werbung aufgeschwatzt werden.

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