Fechter

Psycho-Thriller nach wahren Begebenheiten

Über den Tatsachen-Roman

Auszüge aus dem Leben eines jungen Söldners.

Nach seiner Zeit bei der Fremdenlegion arbeitet er für jeden, der, wie er, sich gegen Terroristen wendet - und ihn dafür bezahlt. Ob z. B. im Libanon oder im Einsatz für Geheimdienste, Wolf Fechter, der Protagonist, ist Söldner aus tiefster Überzeugung.

Bis zu dem Tag, als man ihn zum Narren hält und sich weigert, ihn zu bezahlen.

Folgen Sie Wolf Fechter u. a. nach Spanien, in den Libanon, die Niederlande und durch Deutschland.

Der erfolgreiche Roman Fechter ist ein dynamischer Thriller, dessen Haupthandlungen sich in der Zeit von Anfang bis Ende der 1980er Jahre ereigneten.

Der Action-Thriller Fechter bietet Ihnen ein intensives Leseerlebnis.
Gebundene Ausgabe

Fechter

Psycho-Thriller von

Olaf W. Fichte

Fechter: Siebenter Teil

Autor: Olaf W. Fichte (Kommentare: 0)

Der hauchdünne Stoff ihrer schwarz-weiß-gestreiften Hose spannte sich. Hindurch blinzelte ein verspielter weißer Tanga. Gehört sich so was? Aber selbstverständlich! Wahnsinnig würde ich werden, wenn dem nicht so wäre. Sie sah zu mir herüber und lächelte, als bedanke sie sich für meine Aufmerksamkeit. Beherrscht wandte ich mich ab und ging die drei Schritte durch die Pendeltür in die Backstube.
Ulli faltete Blätterteig für Schweinsohren und ich erzählte der Situation angepasste, Muskulatur entspannende Witze.

Mein Nachtdienst begann wie jeder Nachtdienst: furchtbar einsam und ruhig.
Zwanzig Minuten vor Mitternacht rief Seiler an. Ich nahm den bimmelnden Apparat, setzte mich auf den angenehm erfrischend kühlen Boden und berichtete auch ihm von meinem Kurzurlaub. Zwar habe er am Nachmittag mit Bernhard gesprochen, jedoch nicht darüber. Als ich geendet hatte, ließ er mich wissen, dass er umgehend in Erfahrung bringen wolle, was mit Sorbete an der Grenze vorgefallen sei. In Zarautz habe er sich aufgrund organisatorischer Probleme nicht melden können.
"Ich werde dich dann nächste Woche wieder anrufen."

Samstagabend gab mir Biggi in ihrer mürrisch ungeduldigen Art - wir mochten uns eben - einen Streifen abgerissenen Zeitungsrand, auf dem sie in krakeligen Schriftzeichen eine Nachricht an mich notiert hatte. Ich dechiffrierte und erfuhr, dass Sorbete einen ausgedehnten Urlaub in Bayonne verbringe. Das Wetter habe sich merklich gebessert und er freue sich auf ein Wiedersehen im sonnigen Süden. Mehr wollte und mehr brauchte ich nicht. Spitzbübisch grinsend schnippte ich die Notiz in den Abfall und erinnerte Biggi an ihren wohlverdienten Feierabend. Sie warf den Kopf herum, zerknitterte ihr hübsches Gesicht und bediente sich des Blickes, dessen sie sich immer bediente, wenn sie mir mal wieder eine heiße Affäre mit einem Blitz wünschte. Schließlich stieß sie die Lade der Registrierkasse zu, schnappte nach ihrer Handtasche, drückte sich an mir vorbei und strebte dem Ausgang entgegen. Kaum hatte sie einen Fuß vor die Tür gesetzt, war ich auch schon hinter ihr.

Ich verschloss die Konditorei, nahm mir ein Stück Kirschkuchen - oder auch zwei - aus der Theke und griff zum Telefon.
Seiler schickte mal wieder sein zweisprachiges Fräulein vor. Mein Stimmungshoch ebbte ab. Zu gern hätte ich ihm Sorbetes erfreuliche Botschaft persönlich überbracht. So aber bat ich um seinen Anruf für Sonntag zweiundzwanzig Uhr.
Nicht gleich am Sonntag, aber am Montag rief er zurück. Seiler war von Sorbetes Nachricht derart aus dem Häuschen, dass er sich am Morgen des folgenden Tages gleich noch einmal meldete.
"Wir werden uns in Österreich, in Salzburg treffen. Vermutlich nach dem achten Juli. Genaueres erfährst du noch. Dein Ticket wird bei der IBERIA in Malaga hinterlegt. Der Flug geht über Zürich. Ticket und Hotel sind bereits bezahlt. Hast du mir bis hierher folgen können?"
"Nein. Was spricht gegen Afghanistan?"
"Wir haben uns für Salzburg entschieden, um nicht Gefahr zu laufen, dass du mit deiner jüngsten Vergangenheit konfrontiert wirst."
Seilers Sinn für Humor schien mir nicht sonderlich ausgeprägt zu sein.
"Das ist aber nett."
Ich fand es gar nicht nett. Nicht, weil ich es nicht nett finden wollte, sondern, weil ich es nicht verstand. Vermutlich spielte er auf meine letzten Jahre in Deutschland an. Das allerdings verstand ich noch weniger.
"Morgen oder übermorgen werde ich dir das genaue Datum durchgeben. Wie kann ich dich erreichen?"
Gute Frage.
"Vielleicht per Anruf? Rufen Sie mich unter meiner Geschäftsnummer an."

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, ging ich, nachdem Ulli um drei zur Arbeit kam und wir Kaffee getrunken und eine Zigarette geraucht hatten, nicht ins Hotel und fuhr stattdessen ins zehn Kilometer entfernte IPANEMA - einer herausragenden Diskothek, nur einen Steinwurf vom High Society Jachthafen Puerto Banus.
Nach dem fünften Whiskey tat ich das, was mir, seit ich laufen lernte, am wenigsten gelang: Hüftwackelnd mischte ich mich unters Volk und strampelte mir einen ab.

Stück für Stück öffnete sich das Dach über der Tanzfläche. Die Glaskuppel schob sich zur Seite und gab den Blick auf einen sternenklaren Nachthimmel frei. Eine gut abgefüllte, tobende Menschenmasse applaudierte und U2 säuselte "I still haven’t found what I’m looking for" aus mannshohen Boxen am Rande der Tanzfläche.
Ich tobte mit, wusste nicht warum, versank im Rhythmus und war spitz wie selten zuvor. Einer - ich glaube, norwegischen - Touristin erging es ähnlich. Zügellos lebten wir unsere Triebe in einer Schuhschachtel aus. Nur Freaks wissen, welche Unbilden ein Mini Cooper bereithält, wenn zwei Unersättliche gierig und hemmungslos übereinander herfallen. Dabei wäre mein kleines rotes Auto um einige Nuancen bequemer gewesen. Aber der parkte drei Autolängen weiter. Das Animalische in uns gewährte nur Aufschub bis zu ihrem recycelten Karton.
Es war furchtbar! Furchtbar heiß, furchtbar wild, furchtbar nass, furchtbar anstrengend - furchtbar schön.

Später versuchte ich mich, ihres Namens zu erinnern. Krampfhaft dachte ich nach. Ich saß in meinem Büro, trank Kaffee und grübelte. Es war Mittag, die heißesten Stunden des Tages, und ich erinnerte mich nicht. Es gelang mir ebenso wenig, wie ein Bild von ihr aufzubauen. Ich weiß noch, sie roch, nein, sie stank nach Alkohol und hatte einen eminent geilen Hintern, glaube ich. Ja, und darüber muss ich ihren Namen und alles andere vergessen haben. Etwas, das ich mit meinem Freund, dem guten Seiler, gemeinsam hatte. Auch bei ihm klafften Lücken im Erinnerungsvermögen.
Auf seinen Anruf wartete ich vergebens. Den ganzen heißen Tag lang. Und auch den Nächsten, den ich wiederum im - na, wo schon - MANICOMIO verbrachte, mich in Geduld übte und nach einem Zeichen von Ulli Ausschau hielt.

Unheimlich spannend, nicht wahr? Verdrießen Sie nicht! Sehen Sie, mein Job war es, Anweisungen meines Auftraggebers zu befolgen. Kamen sie: gut! Kamen sie nicht: nun ja.
Manchmal hatte ich aber auch richtiges Glück. Manchmal erhielt ich Besuch von einem Schutzengel, der mich vor Lethargie, Sonnenbrand und anderen Naturkatastrophen bewahrte.

So ein Schutzengel kam zufällig an diesem Nachmittag in Gestalt eines sehr blonden, sehr gut aussehenden, sehr leichten deutschen Mädchens daher. Sie war ein wenig - ja, sagen wir mal - anders, als die schönen Mädchen, die Sie bisher kennenlernten. Ihr Einzugsgebiet beschränkte sich auf Puerto Banus. Und dennoch, oder gerade deshalb, verdiente sie ein kleines Vermögen.

Ulla lächelte einnehmend, platzierte ein volles Glas Kaffee neben mein Leeres, setzte sich und kam ohne Umschweife zum Kern ihres erlösenden Erscheinens. Sie habe Angst vor ihrem Verflossenem. Ich wusste natürlich, dass das Quatsch war. Ulla hatte nicht einen Verflossenen - sie hatte Dutzende. Hm, oder auch mehr.
Sie war barfüßig und trug eines ihrer hübschen Sommerkleidchen: sehr weiß, sehr dünn, sehr klein. Eines dieser jenen Nichts, die Eskimos schweißtreibende Tagträume bescheren. Es bedeckte ihren makellosen, drahtigen, bronzefarbenen Körper gerade so weit, als dass es ihr eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vom Leib hielt.
Ich fragte mich, welche Schwachköpfe sich über Augenweiden wie diese ärgern mögen und kam zu dem Schluss, dass es sich natürlich nur um Neidhammel handeln konnte.
Wie auch immer.
Angeblich halte er sich in Marbella auf und habe ihr ausrichten lassen, dass er sie während der kommenden Nacht aufmischen wolle. Offensichtlich ein unangenehmer Patient. Welcher gesunde Mensch teilt seinem Opfer schon Datum und Uhrzeit mit? Ich lachte und schlug mit der Handfläche auf den Tisch. Ulla, die ihre Beine übereinanderschlug, bog sich etwas nach links, hob den blanken Schenkel und kratze sich mit der Rechten - ziemlich weit oben. Ein bisschen wie ein Köter, der knabbernd Flöhe durchs Fell scheucht. Fragend legte sie ihre braunen Augen auf mich. Glaubte sie, mich mit ihrer blöden Schaberei kaufen zu können? Was hielt diese Frau so unverschämt knusprig?
Ich wohnte ihrer graziösen Häutung mit den Augen der Wissenschaft bei. Häuten sich Hunde? Eine gewisse Erotik war dem nicht abzusprechen. Sie wusste das natürlich und dehnte, wie ich meinte, es etwas aus, bevor sie ihr weißes Höschen zurechtzupfte und mich fragte, ob ich auf sie und ihre Tochter aufpassen würde. Dabei studierte das ausgekochte Luder verlegen die Nägel der Kratzhand.

Ich zögerte, nippte am Kaffee und faselte von einer unheimlich wichtigen Verabredung, die ich unmöglich absagen könne. Ulla erhöhte von dreihundert auf fünfhundert Mark und ich litt plötzlich an Amnesie.

Ich mochte Ulla. Ich mochte sie wirklich sehr. Vor knapp zwei Monaten, Ulla hatte irgendetwas Dringendes in Deutschland zu erledigen, übernahm ich die Aufsicht ihrer dreizehnjährigen Tochter. Fünfzehn Tage bewachte und bemutterte ich die Göre, das Haus und ein zotteliges Knäuel, das mich fortwährend anfauchte.
Täglich chauffierte ich den Teenager in eine Privatschule und holte sie nach Schulschluss wieder ab. Zwischenzeitlich hielt ich das Haus und den Garten in Ordnung, kaufte ein, fütterte den fauchenden Flohfeudel und bereitete die Mahlzeiten. Es war nicht mein üblicher Job, doch hatte er seinen Reiz, machte sogar Spaß und brachte ordentlich was ein. Vier Monate, rechnete ich aus, könnte ich sorgenfrei damit auskommen.

Ulli hatte keine Einwände gegen mein nächtliches Wegbleiben. So brach ich 23 Uhr auf, fuhr bis Kilometer 150 und bog links nach Arroyo Vaquero, einer neuen Siedlung aus vielleicht fünfunddreißig Häuschen, ab.
Elf Stunden später saß ich wieder in meinem Büro und ließ mich von einem deutschen Touristen überreden, ihn zum Flughafen nach Malaga zu fahren.
Die Nacht bei Ulla war warm wie ihr Frühstückskaffee und aufregend wie die Bedienungsanleitung zu ihrem Propangasofen. Ich konzentrierte mich auf meinen Job, Ulla auf ihre Joints und die Tochter aufs Fernsehprogramm. Alles in allem eine gewöhnliche Nacht am Meer - ohne ein Zeichen des angekündigten, bösartigen Schlächters.

Seiler bereitete mir eine Überraschung. Er rief mich spät in der Nacht auf meinem Posten in der Pasteleria an.
"Ich habe unser Treffen perfekt gemacht. Du wirst am achten Juli, das ist ein Mittwoch, zwölf Uhr von Malaga über Madrid und Zürich nach Salzburg fliegen. Tickets und Hotel sind gebucht und bezahlt. Deine Tickets bekommst du in Malaga, am Schalter der IBERIA. In Salzburg, wo du achtzehn Uhr dreißig landen wirst, nimmst du dir ein Taxi und fährst zum Hotel Winklhofer.

Das Zimmer ist bis zehnten Juli auf deinen Namen reserviert. Ich werde dich um zwanzig Uhr im Foyer erwarten. Alles klar?"
"Mit Seeblick?"
"Da gibt es keinen See."
"Schade. Dann nehme ich ohne Seeblick?"
"Ohne Seeblick. Guten Flug!"
Wo kein See ist, da gibt es auch keine Mücken. Jedenfalls nicht so viele. Demnach werde ich meinen Ausflug wohl genießen müssen.

Ulli brachte mich rechtzeitig zum Flughafen. Seilers fest umrissenen Weisungen folgend, suchte ich die Hallen nach dem IBERIA-Schalter ab. Ich fand ihn, legte meinen Reisepass vor, sackte die 2.000 Mark teuren Flugtickets ein und erfuhr nebenher, dass es in Madrid Komplikationen mit dem Radar gebe. Mein Flug IB 352 würde aller Wahrscheinlichkeit nach in Verzug geraten.
Radarprobleme - so nennt man das also. Wie beruhigend. Das uns da mal kein Geisterflieger beehrt.
Trotz einer nicht unbeträchtlichen Verspätung von zweieinhalb Stunden, erreichte ich meine Umsteigemaschinen in Madrid und Zürich.

Copyright © 1993 - 2025 by Olaf W. Fichte, Germany. Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Der Roman Fechter beruht auf tatsächlichen Ereignissen.


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