Fechter

Psycho-Thriller nach wahren Begebenheiten

Über den Tatsachen-Roman

Auszüge aus dem Leben eines jungen Söldners.

Nach seiner Zeit bei der Fremdenlegion arbeitet er für jeden, der, wie er, sich gegen Terroristen wendet - und ihn dafür bezahlt. Ob z. B. im Libanon oder im Einsatz für Geheimdienste, Wolf Fechter, der Protagonist, ist Söldner aus tiefster Überzeugung.

Bis zu dem Tag, als man ihn zum Narren hält und sich weigert, ihn zu bezahlen.

Folgen Sie Wolf Fechter u. a. nach Spanien, in den Libanon, die Niederlande und durch Deutschland.

Der erfolgreiche Roman Fechter ist ein dynamischer Thriller, dessen Haupthandlungen sich in der Zeit von Anfang bis Ende der 1980er Jahre ereigneten.

Der Action-Thriller Fechter bietet Ihnen ein intensives Leseerlebnis.
Gebundene Ausgabe

Fechter

Psycho-Thriller von

Olaf W. Fichte

Fechter: Achtundzwanzigster Teil

Autor: Olaf W. Fichte (Kommentare: 0)

Das Gemisch der Aromen aus Kaffee und Tabak verdrängte für einige Zeit den durchdringend modrigen Geruch der Wohnung. Aus welchem Grund, fragte ich mich, schweifenden Blickes über die kahlen Wände, hatte man an einigen Stellen die Tapete heruntergerissen? Ich kam nicht drauf. Sie war Ocker wie überhaupt die gesamte Wohnung einschließlich der Türen und Fensterrahmen. Und auch darunter war Ocker Tapete – nur vielleicht etwas heller.
Dann endlich nahm Rettich den Deckel vom Topf und ließ mich an unserer allmählich aufkochenden Revolution schnuppern.

Vor einigen Monaten putschten in Suriname, einer bis 1975 holländischen Kolonie im Nordosten Südamerikas, Teile des Militärs. Angeblich stürmten sie in der Hauptstadt Paramaribo den Präsidentenpalast mit nur einer Schrotflinte bewaffnet. Widerstand soll es keinen gegeben haben.

Unser Auftrag sei es, den sich auf den Präsidententhron geputschten kubafreundlichen Anführer namens Dési Bouterse aus dem Sessel zu hieven und den Teppich für die Rückkehr des nach Den Haag geflüchteten rechtmäßigen Präsidenten in sein an Bodenschätzen reiches Land auszurollen. Allzu heftige Feindseligkeiten müsse man nicht erwarten. Die Küstenwache bestehe aus einem bewaffneten Schnellboot älteren Jahrgangs und der Präsidentenjacht. Polizei und Armee brächten es zusammengeschüttet auf dreitausend Mann, was überhaupt nichts über die Eigentliche – um ein Vielfaches geringere – Kampfstärke aussage. Wie behauptet wurde, befürworte die Bevölkerung mehrheitlich die Wiederherstellung der alten Ordnung. Also habe man auch von dieser Seite mit nicht unbedingt übermäßigem Widerstand zu rechnen.
So richtig böse dazwischenfunken könnten allenfalls die Kubaner. Die nämlich, drohte Bouterse in den Medien, wird er um Hilfe anflehen, wenn sich jemand anschicke, ihm die Kapuze überzustreifen.

Ja, und das Haus, in welchem wir gegenwärtig residierten, gehöre auch einem surinamischen Verschwörer. Er wisse um unseren Auftrag und habe diese Wohnung zur Verfügung gestellt, schloss Rettich.

Vermutlich wird sich niemand vorstellen können, wie erleichtert und glücklich ich über diesen letzten Satz war. Man stelle sich nur mal vor, wir hätten uns meuterischen Nachtwächtern angeschlossen. Ich mein ja nur. Es ist ja nicht so, als habe man gar keinen Ruf zu verlieren.

In den darauffolgenden fünf Wochen hielten wir uns nahezu ausschließlich in diesem ... dieser ... in dieser Herberge auf. Von frühmorgens bis weit in die Nacht tüftelten und feilten wir an unserem Plan, mit fünfzig Männern den Präsidentenpalast, den Flughafen und die Rundfunkstation zeitgleich unter Kontrolle zu bringen.

Erhebliche Schwierigkeiten bereiteten uns die widersprüchlichen Informationen über Vorgänge im Lande selbst. Auch die Motivation des Militärs änderte sich mehrmals wöchentlich, ebenso dessen Stärke, die zwischen eintausend und dreitausend schwankte.

Als das Konzept bis zur Umsetzung herangereift war, legten wir es dem sogenannten RAT vor. Einer elitären, um den Exilpräsidenten gescharrten Runde, die sich in nackten Räumen eines Bürokomplexes in einem halb fertigen Gewerbegebiet von Den Haag verkrochen. Schon nach zwanzig Minuten lehnten es die fein gescheitelten Herren der Exilregierung als zu teuer ab.
So ging das natürlich nicht. Waren wir etwa Wühltisch-Krieger? Außerdem fing ich gerade an, mich in die Revolution zu verlieben. Und die reden über so belangloses wie Geld.

Weitere zwei Wochen vergingen. An deren Ende legten wir dem RAT Pläne vor, nach denen nur noch dreißig Mann zum Einsatz kämen. Entsprechend der letzten Informationen aus Paramaribo, reichte diese Truppenstärke zur erfolgreichen Durchsetzung unserer Ziele aus. Und obwohl wir selbst Teile der Ausrüstung strichen und sogar Gehälter kürzten, lehnte der RAT unseren Plan abermals als nicht finanzierbar ab.

Der Gipfel der Frechheit. Bezahlten diese Halbaffen unseren Aufenthalt, um uns auf die Palme zu bringen, fragte sich Rettich. Wer sich derart aufführt, muss mit Spott leben. Eine ordentliche Revolution wird doch wohl noch was kosten dürfen. Solche kleinlichen Ignoranten aber auch. So viel stand jedenfalls fest: Mit uns würde es keine Sommerschlussverkaufsrevolution geben. Eine allerletzte Chance gaben wir ihnen dann aber doch noch. Und natürlich auch uns, denn der Spaß war uns noch immer nicht vergangen.

Aus heiterem Himmel blies irgendein geheimes Lüftchen der Presse unser Vorhaben und, man horche auf, unsere Namen auf die Titelseiten. Natürlich schrieben sie diese falsch und nannten uns obendrein auch noch Hurensöhne und ich wünschte mir, sie kramten nicht noch tiefer in meiner Vergangenheit.

Am Abend nach den ersten Veröffentlichungen saßen Rettich und ich unweit unseres Unterschlupfes in einem pakistanischen Restaurant über Reisteller gebeugt, als uns der RAT durch einen Kurier anwies, dass er Abstand von den Invasionsplänen nehme, statt dieser jedoch ein in kürzester Zeit umsetzbares Konzept für einen Guerillakrieg fordere. Wir schmunzelten zufrieden und machten uns sogleich daran, einen Guerillakrieg zu skizzieren. Endlich bekam unsere Revolution eine ihr standesgemäß angemessene, förmlich wie politisch korrekte Etikettierung.

Doch nachdem sich der RAT erneut unseren Bemühungen um einen ordentlichen Krieg in Suriname verweigerte, riss uns der Geduldsfaden endgültig. Und weil wir es als unser Projekt, als unser Baby verstanden, boten wir es eben anderen interessierten Kreisen an. Schließlich war man ja nicht total verblödet – den Wink mit der Streitaxt verstanden wir sehr wohl.

Ende Mai empfingen uns drei adrett gekleidete Herren im Portal der Den Haager US-amerikanischen Botschaft. Zuvorkommend lächelnd schleusten sie uns am Empfang und den Fahrstühlen vorbei in das erste Untergeschoss. Es roch nach getrockneten Pilzen und die Beleuchtung war mehr als dürftig. Vermutlich war das Fußballspielen in den Gängen verboten, obwohl sie lang und breit genug waren. Weißlicher Farbanstrich hob sich von den Wänden, als werfe der darunter verborgene Beton drückenden Ballast ab, um atmen zu können.
Unvermittelt hielt das Trio in einem der zahlreichen Gänge inne und nahm inmitten verstaubter Heizungsrohre und Kabelbäume unsere Personalien auf – jene, die wir ihnen nannten. Unsere Ausweispapiere übten keine Reize auf sie aus. Ebenso wenig das, was wir noch so bei uns trugen.
Danach ging es mit dem Aufzug nach oben.

Im dritten Stockwerk begrüßte uns ein fußballgroßes kunterbuntes Bildchen mit Globus, olympischer Flamme und den Worten „Defense Intelligence Agency“. Womöglich eine Tarnung. Was sollten wir in einer Sport-Agentur, die Schlauberger feilboten? Ganz schön ausgekocht, diese Amerikaner. Es klebte im oberen Drittel einer Glastür, durch die hindurch wir über einen Flur an verschlossenen Türen vorbei in das letzte Zimmer auf der linken Seite dirigiert wurden.

Ein sehr kleines, einfenstriges Zimmer. An den beiden Längsseiten auffallend geschmacklose Polsterbänke mit Blümchendekor. Der Tür gegenüber, unter dem Fenster, ein trauriges Tischchen. Genau der richtige Rahmen für ein Barbecue. Auffallend auch der Linksdrall. Seit Betreten der Botschaft, hielten wir uns links. Beruhigend zu wissen, dass man sich zum Verlassen des Gebäudes nur rechts halten müsse.
Eigentlich erübrigt es sich zu erwähnen, dass man uns die Bank auf der linken Seite des Raumes anwies. Ich vermutete, der unübersehbar stark durchgesessenen Schaumgummipolster wegen.

Die beiden jüngeren zauberten Kaffee und Kuchenstückchen herbei; und nach einem intensiven zweieinhalbstündigen Gespräch hinterließen wir unseren drei hochinteressierten Gesprächspartnern sämtliche Pläne.
„Rufen Sie mich bitte übermorgen an.“
Schnell kritzelte der ältere von ihnen, ein gutaussehender Endvierziger, Defence Attaché Office, 467934, Mr. Landefeld, auf ein Stück Kuchenpapier, riss den Streifen ab und reichte ihn Rettich. Wohl, weil sein Englisch etwas besser war als meines. Also gut, es war viel besser als meines – es war geradezu perfekt. Na und?

„Der Krieg ist unser!“, triumphierte Rettich zwei Tage später und hob siegesgewiss den Hörer aus der Gabel einer Amsterdamer Telefonzelle.
„Meine Regierung hat sich inzwischen anders entschieden. Wir kommen wieder auf Sie zu, sobald sich etwas Neues ergibt“, sagte Landefeld und legte ohne Gruß auf.
„Scheißefresser ... Mehr als drei Monate Arbeit ... Vorbei ... Fuck“, stammelte Rettich kurzatmig und legte den Hörer sanft auf die Gabel zurück.
Seit ich ihn kannte, sah ich zum ersten Mal Tränen in seinen Augen. Tränen dieser miesen, hinterhältig ansteckenden Sorte. Es war schrecklich.
Ohne ein Wort verließen wir die Telefonzelle, zündeten Zigaretten an und gingen nebeneinander die Straße entlang. Jeder vermied es, dem anderen in die Augen zu sehen.

Die zu jener Zeit in Florida auf ihren Einsatzbefehl wartenden zweitausend amerikanischen Söldner, von denen wir Kenntnis hatten, aber nicht wussten, wer sie rief, wurden während der folgenden Tage nach Hause geschickt.

Noch im selben Monat züngelte in Suriname das Flämmchen eines Guerillakrieges.
Rettich reiste einen Tag nach Mr. Landefelds Absage nach Paris und meldete sich vom Bahnhof aus bei der Legion.
Er wurde angenommen.

Ich reiste ebenfalls ab: nach Nürnberg, wo ich meine Tätigkeit für den bayerischen Verfassungsschutz aufnahm.


Deutschland – Im Herbst

Die Ereignisse der letzten Tage, Wochen und Monate wischte ich mit einem heftigen Kopfschütteln beiseite, denn nun kam ich mit jedem Kilometer meinem Ventil ein kleines Stückchen näher.
Ein umwerfend Gutes, sehr Warmes, ein mir wohlbekanntes Gefühl. Ich liebte dieses langsam aufsteigende Hochgefühl, das sich bis in eine höchst befriedigende Euphorie steigerte und von keinem noch so intensiven Orgasmus je erreicht wurde.
Ausgelöst von der Gewissheit eines unmittelbar bevorstehenden Einsatzes versetzte sich mein Körper in Wallungen, tanzte, lachte, sang und schärfte meinen Geist.

Das war schon immer so vor Ereignissen der besonderen Art. Doch im Nachhinein, Stunden nach der Operation schüttelte Angst meine Glieder und ich verfiel in eine nahrhafte Nachdenklichkeit. Manchmal zog ich mich an einen einsamen Ort zurück. Dann etwa, wenn wir Verluste hatten. Es kam vor, dass ich tagelang nicht ansprechbar war. Besser man ging mir in dieser Zeit aus dem Weg. Drang der Schmerz besonders tief, besänftigte Alkohol meine Gefühle, nahm sich aber nicht des Problems an. Und auch das war gut so, denn ich sah keinen Sinn im Bekämpfen der Ängste.

Angst heißt der Überlebensfaktor. Wer Angst hat, begeht keine unüberlegten Fehler. Bewusst wahrgenommene Angst vermeidet Fehlverhalten, Unfälle und dergleichen. Nur wer den Faktor Angst vernachlässigt und verdrängt, weil so was nicht in unsere Gesellschaft passt, als schwächlich, kümmerlich, überflüssig und deshalb als eine unbedingt auszurottende Volkskrankheit dargestellt wird, sollte auf Pläne für den Ruhestand verzichten.
Fehler entstehen durch ein übersteigertes Selbstwertgefühl, nicht durch Angst. Wer seine Angst erkennt und bewusst wahrnimmt, wird nicht dem Irrtum unterliegen, er sei, wie allgemeinhin suggeriert, ein Feigling. Tatsächlich ist er ein Könner, ein Macher, ein Überlebenskünstler.
Und Panik ist auch nicht, wie gern dargestellt, die Steigerungsform von Angst. Angst und Panik sind zwei völlig unterschiedliche Paar Treter. Angst ist etwas, worauf wir Einfluss haben, aber keinen nehmen sollten. Sie gehört zu uns, ist in uns, und das ist gut so.
Auf Panik hingegen haben wir keinen Einfluss. Panik wird nicht von uns selbst ausgelöst. Fatalerweise entscheiden andere darüber.

Menschen, die Angst vor dem Fliegen oder vor Fahrstühlen haben, nennt man therapiebedürftig. Doch diese Menschen sind nicht krank. Sie bekennen sich einfach nur zu ihrer Angst und meiden die sie irritierenden Objekte – so schützen sie sich und andere. Ihr soziales Verhalten ist sehr stark ausgeprägt. Krank werden sie erst durch jene Spezies, die behauptet, in unserer Gesellschaft müsse jedes Individuum in eine vorgefertigte Schablone gepresst werden. Wer weder Aufzug noch Flugzeug benutzt, habe keine Überlebenschance. Sie sind von Fäulnis befallen und daher krank – suspekt sowieso. Schon deshalb müsse ihnen geholfen werden. Dabei wird völlig übersehen, dass noch nie ein Mensch jämmerlich zugrunde ging, weil er Treppen stieg, in großen Räumen lebte oder mit der Bahn, dem Auto oder dem Schiff reiste. Vielleicht kommt man mit dem Flugzeug etwas schneller (Warum überhaupt?) an sein Ziel, gesünder auf keinem Fall.

Copyright © 1993 - 2026 by Olaf W. Fichte, Germany. Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Der Roman Fechter beruht auf tatsächlichen Ereignissen.


Diesen Beitrag teilen
Über den Autor

Kommentare

Kommentar schreiben

Pflichtfelder sind mit einem * (Stern) gekennzeichnet.

Bitte addieren Sie 9 und 9.
(Die Benachrichtigung über neue Kommentare kann über einen Verweis in der E-Mail jederzeit beendet werden.)

Datenschutz (Auszug)

Ich freue mich über Ihren Kommentar und eine sachliche Diskussion. Insofern Sie die Kommentarfunktion benutzen, geschieht dies freiwillig. Ich erhebe und speichere für diesen Zweck Ihre E-Mail-Adresse, Ihren Namen und Ihren Kommentar. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie wird benötigt, um Missbrauch der Kommentarfunktion zu vermeiden. Meine vollständigen Richtlinien zur Kommentarfunktion finden Sie in meiner Datenschutzerklärung und den Nutzungsbedingungen.